Hornhaut-Chirurgie

Wie werden Probleme der Hornhaut behandelt?

Die Möglichkeiten der Hornhaut-Chirurgie unserer Augenpraxis-Klinik umfassen die Durchführung verschiedener Methoden der Hornhaut-Transplantation (perforierende Keratoplastik, DSAEK), die Abtragung oberflächlicher Hornhaut-Narben, die Beseitigung von ausgeprägter Hornhautverkrümmung durch Einschnitte mit dem Diamantmesser (Karatotomie) und die Abtragung von Flügelfellen (Pterygium-Operationen).

Die Hornhauttransplantation ist die am längsten und am häufigsten durchgeführte Transplantation überhaupt. Bis vor wenigen Jahren war die Transplantation der Hornhaut in voller Dicke (perforierende Keratoplastik) die Methode der Wahl, um Menschen mit eingetrübter Hornhaut wieder zum Sehen zu verhelfen. Seit kurzem erlauben verfeinerte neue Operationsmethoden (genannt DSAEK), nur die hinterste Bruchteile von Millimetern dünne Schicht der Hornhaut zu transplantieren (endotheliale Keratoplastik) und die vordere Hornhaut des Patienten dabei zu erhalten. DSAEK steht für Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty.

Was ist eine Hornhautübertragung?

Hornhautübertragungen werden seit über 100 Jahren mit Erfolg durchgefüht. Heute gehört die Hornhautübertragung zu den Standardoperationen in der Augenheilkunde. Hierbei werden die zentralen 7 – 8 mm der Hornhaut von einem Spender auf den Empfänger übertragen. Da die Hornhaut ein immunologisch privilegiertes Gewebe ist, sind Abstoßungsreaktion relativ selten. Im Normalfall ist keine allgemeine Nachbehandlung mit abwehrschwächenden Medikamenten erforderlich.

Wann ist eine Hornhautübertragung notwendig?

Erforderlich ist eine Hornhautübertragung bei allen irreversiblen Hornhauttrübungen, die in der optischen Achse liegen. Weiterhin kann sie nötig sein, wenn eine ausgeprägte unregelmäßige Hornhautverkrümmung mit Kontaktlinsenunverträglichkeit vorliegt, z. B. bei ausgeprägtem Keratokonus.

Die neuen endothelialen Operationsmethoden kommen bei vielen, aber nicht bei allen Hornhauterkrankungen in Betracht. Sinnvoll sind sie immer dann, wenn nur die hinteren Hornhautschichten erkrankt sind, was bei vielen Hornhauttrübungen wie der Fuchs’schen Hornhaut-Dystrophie und bei anderen sogenannten bullösen Keratopathien der Fall ist. Sind jedoch auch die oberflächlichen Hornhautschichten erkrankt, so wird die Hornhaut in voller Dicke transplantiert.

Wie wird eine Hornhautübertragung durchgeführt?
  1. Entfernung der hintersten Schichten der Hornhaut des Patienten („Descemet Stripping“)
  2. Vorbereiten einer ca. 150 µm Lamelle der hintersten Schichten einer Spenderhornhaut mit einem speziellen Mikrokeratom
  3. Einsetzen der Spenderhornhautscheibe durch eine 2-3 mm breite Öffnung am Rand der Patientenhornhaut
  4. Einbringen einer Luftblase in die vordere Augenkammer des Patienten und Rückenlage für 1-2 Tage, wodurch die Spenderhornhaut an die Rückfläche der Hornhaut des Patienten gedrückt wird und sich anlegt. Die Luftblase löst sich von selbst innerhalb weniger Tage auf.

Die DSAEK hat gegenüber der bisherigen Hornhaut-Transplantation in voller Dicke viele Vorteile:

  • weniger Operationsrisiko, da nur eine winzige Öffnung von 2-3 mm am Rand der Hornhaut erforderlich ist
  • schonendes Operationsverfahren, da nur eine winzige Hornhautlamelle ausgetauscht wird
  • schnelle Heilung und rasche Erholung der Sehfähigkeit
  • keine Hornhautnähte, daher auch keine Gefahr der hohen Hornhautverkrümmung nach der Operation.

Die endotheliale Hornhauttransplantation wird meist im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in Vollnarkose durchgeführt. Eine Analyse von 50 seit 2007 von Prof. Küchle durchgeführten DSAEK-Operationen zeigte gute Ergebnisse mit einer primären Erfolgsrate von über 90%, d.h. bei über 90% der Operationen wurde das Hornhauttransplantat nach dem Ersteingriff problemlos angenommen und war funktionsfähig.

Gelegentlich kann ein vorübergehender Anstieg des Augendruckes während der ersten 1-2 Tage nach der Operation beobachtet werden. Wichtig ist ein konsequentes Liegen auf dem Rücken in den ersten 24-48 Stunden nach der Operation. Andernfalls kann es zu einem Ablösen des Transplantates kommen, was dann meist durch das nochmalige Eingeben einer kleinen Luftblase in die vordere Augenkammer behoben werden kann.

Falls das zu operierende Auge vor der Hornhauttransplantation noch nicht staroperiert worden ist, sollte 4-6 Wochen vor der DSAEK eine Staroperation mit Einsetzten eine Kunstlinse (meist ambulant) durchgeführt werden. Nach der DSAEK ist eine Nachbehandlung mit kortisonhaltigen entzündungshemmenden Augentropfen über einen längeren Zeitraum (meist über etwa 12 Monate) unbedingt erforderlich, um einer zumindest theoretisch möglichen Abstoßungsreaktion gegen das „fremde“ transplantierte Hornhautgewebe vorzubeugen. Sollte sich die Sehkraft einige Wochen oder Monate nach der Operation nach zunächst gutem Sehen wieder verschlechtern, sollte rasch der behandelnde Augenarzt aufgesucht werden, da dies das Zeichen einer beginnenden Abstoßungsreaktion sein kann und diese sofort behandelt werden sollte. 

Wie erfolgt die Nachbehandlung nach Hornhautübertragung?

Ganz entscheidend für den Erfolg der Hornhautübertragung ist eine gewissenhafte und langfristige Nachbehandlung. Es müssen über mehrere Monate entzündungshemmende kortisonhaltige Augentropfen genommen werden und das Auge muss regelmäßig vom Augenarzt nachuntersucht werden. Prellungen und Verletzungen des operierten Auges müssen über lange Zeit unbedingt vermieden werden. Die Erholung der Sehschärfe nach einer Hornhautübertragung benötigt wesentlich mehr Zeit und Geduld als beispielsweise nach einer Staroperation. Die Hornhautfäden werden nach 1 bis 1 ½ Jahren schmerzlos entfernt.

Woher kommen die Spenderhornhäute?

Spenderhornhäute werden von Verstorbenen mit deren Einverständnis entsprechend den Bestimmungen des Transplantationsgesetztes entnommen. Sie werden in spezialisierten Hornhautbanken auf ihre Sicherheit und Eignung überprüft, aufbewahrt und von dort den Operationszentren zur Verfügung gestellt. Gesetzliche Bestimmungen und Qualitätssicherung der Hornhautbanken sind die Garantie für Sicherheit und eine qualitativ einwandfreie Spende.